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«Leben trotz Wunden – Rwanda 1994-2004»

 

Kigali, 2. April 2004: Das rwandische Ministerium für Jugend, Kultur und Sport veröffentlicht eine Statistik. Es hat bis heute 937’000 Namen von Personen mit Alter und Geburtsort ermitteln können, die während des Völkermordes von April bis Juni 1994 umgebracht worden sind. Doch ist Minister Robert Bayigamba überzeugt, dass die Anzahl noch wesentlich steigt, wenn die Volksgerichte später in diesem Jahr beginnen.

 

Meine Frau und ich waren mitten in Kigali, als diese Tragödie begann. In unserem Tagebuch steht folgender Eintrag vom 7. April 1994: „Der Koffer ist gepackt und um 5 Uhr ist Tagwache. Noch schnell eine Tasse Kaffee, denn in wenigen Augenblicken werden wir abgeholt und zum Flugplatz gebracht werden. Meine liebe Frau Lucie hat mir während eines Monats in Karengera in den verschiedensten Aufgaben geholfen und mich als Schuldirektor tatkräftig unterstützt. 

 

Es klopft heftig an die Türe. Der junge Schwedenmissionar Dag eröffnet uns, dass die Sabena nicht in Kigali landen werde, nachdem gestern Abend das Präsidentenflugzeug mit dem rwandischen und burundischen Präsidenten sowie hohen Persönlichkeiten aus Politik und Armee mit Raketen abgeschossen worden sei. Eine Ausgangssperre sei über die ganze Stadt verhängt worden.

 

Wir hören den Lärm von Maschinengewehren und schweren Geschützen. Eine Granate schlägt ganz nahe bei uns ein. Jemand klopft an das grosse Eingangstor: Durch eine kleine Öffnung erkennen wir einen unserer Mitarbeiter. Schnell öffnen wir ihm und sehen seine klaffenden Wunden. Lucie nimmt sich seiner an, und wir vernehmen, was draussen in den Strassen und Quartieren losgebrochen ist. Die Wut radikaler Hutus über die Ermordung des Präsidenten und seiner Chefbeamten kennt scheinbar keine Grenzen mehr...“

 

Am 11. April wurden wir evakuiert und dann wie die ganze Welt von den Massenmedien über das Schreckliche laufend informiert. Glücklicherweise blieb uns der telefonische Kontakt mit Pastoren und Gemeindegliedern fast ununterbrochen erhalten. Wir nahmen teil an schweren Stunden und schier aussichtslosen Situationen, durften aber auch von Gottes Treue und Eingreifen erfahren, als es möglich wurde, Lebensmittel zu kaufen oder als die Wasserversorgung wieder für ein paar Stunden funktionierte.

 

Vier Monate später klopfte ich an die schwere Eisentüre und wünschte, die Missionsstation zu betreten. Das Tor öffnete sich, der Wächter war da! Von der Kirche her tönten Lieder. Der Chor war am Üben. Fast die Hälfte der Sängerinnen und Sänger war umgekommen, aber die Übriggebliebenen übten jetzt für den Sonntagsgottesdienst.

 

Während ich am folgenden Sonntag in der überfüllten Kirche den feinen Liedern und der Predigt zuhörte, über mir das von unzähligen Einschüssen völlig durchlöcherte Kirchendach, erlebte ich Gottes Grösse, Liebe und Souveränität. Eigentlich funktionierte ausser der christlichen Gemeinde nichts mehr. Zu viel war zerstört, aber hier war Leben sichtbar.

 

Ganz besonders schwer haben es die Vollwaisen jeweils am 7. April, wenn an den verschiedenen Veranstaltungen der Toten gedacht wird und die tiefen Wunden wieder aufgerissen werden. Médiatrice und Josée sind zwei unserer jungen Frauen, die wir betreuen. Sie waren vorgestern untröstlich.

 

Deshalb empfahl ich ihnen, nicht an der nationalen Grossveranstaltung im Stadion teilzunehmen, sondern zusammen mit weiteren Betroffenen im Haus von Josée eine kleine Feier mit Gesang, Gebet und Bibellese durchzuführen und wie eine Selbsthilfegruppe bei einem anschliessenden Mahl ihre Ängste, Nöte, aber auch ihre Zukunft zu verbalisieren.

 

Bei Gott gibt es keine Zufälle, es ist auch kein Rwander zufällig am Leben geblieben. So schwer die Vergangenheit auch ist, sie darf uns nicht blockieren. Jesus ist auferstanden, Er gibt Kraft zu vergeben und Kraft, auf unserem Weg andere zu ermutigen, zu segnen und zu lieben, wie Christus uns geliebt hat.                                             

 

 

Autor: Alfred Tobler leitet die Schweizer Rwanda-Mission

 

 

   

 

 

 

 

 

 

   
 

 

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